Im Strudel der Promiskuität

„Er starb gewiss auf eigene Hand und nicht, um als Opfer der Zeit zu posieren.
Aber er war es in hohem Grade.“

Thomas Mann über Klaus Mann (1950)

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Weitere Informationen finden Sie hier.

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Ein Fest für Klaus Mann zu seinem 110. Geburtstag

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Die KLAUS MANN INITIATIVE BERLIN e. V. begeht das Jubiläum am 18. November 2016 mit einer Aufführung der ersten Bühnenfassung von Klaus Manns einzigartiger Biografie „Der Wendepunkt“ in der Fassung von Maria Trautmann, die auch die Regie führt. Sie erleben Sven Gey als Darsteller und Moritz Götzen am Kontrabass (Foto: André Symann, Aufführung in Essen).
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Im Anschluss gibt es ein Nachgespräch zum Stück: Als Expertin wird die niederländische Literaturwissenschaftlerin, Autorin und Herausgeberin Margreet Den Buurman über diMargreet Den Buurmane Aktualität von Klaus Manns Werk und die Rezeptionsgeschichte in den Niederlanden berichten.

Margreet Den Buurman ist DIE niederländische „Mann“-Spezialistin. Sie hat Bücher über Thomas und Heinrich Mann sowie auch eine gut aufgenommene Monografie über Erika und Klaus Mann veröffentlicht. Der Titel: „Ein Leben entlang der Bühne“. Margreet ist Mitglied unserer Initiative.

DER WENDEPUNKT – Erste Bühnenfassung von Klaus Manns einzigartiger Biografie
18.11.2016, 20:00 Uhr, Lettrétage Berlin

Doch auch in den nächsten Tagen geht es spannend weiter: Zunächst wird Dr. Fredric Kroll, der Nestor der Klaus-Mann-Forschung, als Referent in der Veranstaltung „Im Banne des Kalten Krieges: Klaus Manns letztes Fragment THE LAST DAY“ zu sehen sein.

Zum Inhalt: Bis kurz vor seinem Tod arbeitete Klaus Mann an seinem literarischen Vermächtnis „The Last Day“. Der Text handelt von zwei Intellektuellen in Ost und West, die gleichermaßen für Ausgleich und Verständigung werben und damit – wie Klaus Mann selbst – untergehen. Zwei Tage vor der Ausrufung des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland, die für sein Empfinden die Teilung Europas zementierte, hat Klaus Mann sich das Leben genommen. Im Laufe der vorausgehenden Wochen hat er sich bemüht, seine lebenslange Todessehnsucht durch das Schreiben eines Selbstmörder-Romans vor dem Hintergrund der atomaren Bedrohung durccover-treffpunkt-im-unendlichenh den sich zuspitzenden Kalten Krieg zu sublimieren. Trotz massiver Schreibhemmungen hat Klaus Mann Skizzen zu diesem Roman in nicht ganz unbeträchtlichem Umfang hinterlassen: Der Idealist Julian in New York begeht aus Enttäuschung über die Heuchelei im politischen Gebaren der USA Selbstmord. Beim Versuch, in den Westen zu fliehen, wird der enttäuschte kommunistische Schriftsteller Albert in Ost-Berlin erschossen. Diese zwei ähnlich und doch auch wieder unterschiedlich motivierten Todesfälle ereignen sich am selben Tag und werden strukturell ineinander verwoben. Fredric Kroll trägt die „Lesefassung“ vor, die er aus diesen Fragmenten zusammengestellt und aus dem Englischen ins Deutsche übertragen hat.

Im Banne des Kalten Krieges: Klaus Manns letztes Fragment THE LAST DAY
21.11.2016, 19:0
0 Uhr (geändert, ursprünglich 20:00 Uhr), Bildungsforum Potsdam

Unsere lerenate-bergertzte Veranstaltung in diesem Jahr trägt den Titel: „Tanz auf dem Vulkan – Gustaf Gründgens und Klaus Mann“.

Die Referentin an diesem Abend ist Dr. Renate Berger, bis 2012 Professorin für Kunst- und Kulturwissenschaft an der Universität der Künste Berlin. Sie hat Anfang des Jahres eine Doppelbiografie zu Gustaf Gründgens und Klaus Mann herausgebracht. Frank Träger und Konstantin Rau werden sich mit der Autorin über das spannungsgeladene Verhältnis der beiden unterhalten. Die Texte von Gustaf und Klaus werden von den Schauspielern Vincent Sierp (l.) und Marius Mik (r.) gelesen.

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Übrigens: Vincent Sierp, bis vor kurzem noch Student der Schauspielschule Charlottenburg, coachte zusammen mit seinem Kommilitonen Jan Schneider die beiden Vorstände unserer Initiative zur Vorbereitung des Fiktiven Gesprächs zwischen Klaus und Thomas Mann.

Tanz auf dem Vulkan – Gustaf Gründgens und Klaus Mann
30.11.2016, 20:00 Uhr, Literaturhaus Berlin (Großer Saal)

Eine Übersicht mit allen Veranstaltungen des Festprogramms bis Februar 2017 finden Sie hier.

„Es ist also ein Mädchen“: Hommage an Erika und Klaus Mann

Am 27.10.2016 wird um 19:00 Uhr die Ausstellung

„Es ist also ein Mädchen“: Hommage an Erika und Klaus Mann

im Schwulen Museum* Berlin eröffnet. Die Schau wird bis zum 30.01.2017 gezeigt. Die Ausstellung wurde von den Vorständen der KLAUS MANN INITIATIVE BERLIN e. V. initiiert (Arbeitstitel: „The Literary Mann Twins“). Kurator ist Wolfgang Theis. Die Initiative organisierte auch ein vielfältiges Rahmenprogramm.

Mehr Informationen zur Ausstellung finrinaldo-hopfden Sie hier.

Bildnachweis: Rinaldo Hopf, The Literary Mann Twins, Rinaldo Hopf / Schwules Museum*

Nachlese: „Tristan“ als erotische Novelle

Literarisches Quartett v. l.: der Schriftsteller und Herausgeber Steffen Marciniak, der Gründer und Vorsitzende Frank Träger, die italienische Doktorandin Valentina Savietto und der Thomas Mann-Experte Dr. Tim Lörke (FU Berlin, Vorstandsmitglied der Deutschen Thomas Mann-Gesellschaft). Bild: Markus Reiniger

Nach der Einführung durch Valentina Savietto begründete Frank Träger seine Initiative zur Besprechung von Thomas Manns „Tristan“ mit der eigenen Biografie: Die Novelle habe unter seinen Kommilitonen während des Studiums in DDR-Zeiten eine bis heute geführte Debatte über das Selbstverständnis des „Intellektuellen“ in der ostdeutschen Gesellschaft, die eine zutiefst kleinbürgerliche gewesen sei, hervorgerufen. Die erneute Lektüre habe für ihn eine Überraschung gebracht: Seine Sicht auf Detlef Spinell und Anton Klöterjahn habe sich mittlerweile beinahe ins Gegenteil verkehrt. Im Übrigen sei er froh, ein Werk Thomas Manns zu besprechen, das ein Mal nicht vordergründig das Thema „Erotik“ bediene: „Wir haben hier vor zwei Jahren ‚Der Tod in Venedig‘ besprochen und auch in anderen Kontexten die Sexualität in Thomas Manns Leben und Werk thematisiert. Mir ist bei ‚Tristan‘ das Apollinische viel wichtiger als das Dionysische! Ich bin sehr leichtfertig davon ausgegangen, dass ‚Tristan‘ zur Abwechslung einmal dieses Thema nicht tangiert. Ich musste mich eines Besseren belehren lassen…“

Für den Literaturwissenschaftler Tim Lörke eine Steilvorlage: „Tristan“ sei eine „erotische Novelle“ ausgehend vom Eros der Handlungskonstellation in Wagners „Tristan und Isolde“.

Apropos Wagner: Die Veranstaltung wurde durch einen bemerkenswerten Beitrag bereichert. Der Klaus Mann Forscher Dr. Fredric Kroll, Gründungs- und Ehrenmitglied unserer Initiative, der es sehr bereute, nicht persönlich anwesend sein zu können, schickte einen musikalischen Gruß: Einen Mitschnitt der von ihm initiierten und mitgestalteten literarisch-musikalischen Collage an Klaus Manns Todestag 2014 in Freiburg im Breisgau. Fredric Kroll ist in Personalunion Komponist des Werkes: „Die Zuhörer in Freiburg waren zum Glück lauter Kenner, die meine Verschmelzung von Platen, Wagner und Tschaikowsky (und latent im Hintergrund Thomas Mann) in ihren Einzelheiten nachvollziehen konnten der Erfolg lässt sich buchstäblich hören! Allerdings konnte niemand wissen, dass die Musik der abschließenden Takte von mir selbst ist aus meiner noch unvollendeten zweiten Oper ‚Eine Nacht an der Newa‘ nach Dostojewskijs Novelle ‚Weiße Nächte‘.“ Der an dem Abend eingespielte Mitschnitt bot die Vertonung des Gedichtes „Tristan“ von August Graf von Platen. Es sang die Sopranistin Caroline Schori, begleitet vom Pianisten Neil Beardmore von der Musikhochschule Freiburg im Breisgau (Anmerkung: Der Titel ist im zweiten Teil des Mitschnitts aus urheberrechtlichen Gründen nicht enthalten).

August Graf von Platen: „Tristan“ (Aus „Tristan und Isolde“)

„Wer die Schönheit angeschaut mit Augen
Ist dem Tode schon anheimgegeben
Wird für keinen Dienst auf Erden taugen
Und doch wird er vor dem Tode beben
Wer die Schönheit angeschaut mit Augen.

Ewig währt für ihn der Schmerz der Liebe
Denn ein Thor nur kann auf Erden hoffen
Zu genügen einem solchen Triebe.
Wen der Pfeil des Schönen je getroffen,
Ewig währt für ihn der Schmerz der Liebe.

[…]

Ach, er möchte wie ein Quell versiechen,
Jedem Hauch der Luft ein Gift entsaugen
Und den Tod aus jeder Blume riechen.
Wer die Schönheit angeschaut mit Augen,
Ach, er möchte wie ein Quell versiechen.“

Clou der Veranstaltung war die Übernahme von „Figurenpatenschaften“: Valentina Savietto war „Pate“ von Spinell, Frank Träger von Anton Klöterjahn und Steffen Marciniak von Gabriele Klöterjahn. Die wohl interessanteste „Patenschaft“ übernahm Tim Lörke die für den Erzähler, an dem sich alle anderen reiben konnten.

Natürlich war auch das Publikum gefordert: Inmitten der angeregten Diskussion des Quartetts warf Frank Träger den Ball in Gestalt einer Frage ins Publikum: „Wer sind denn nun wirklich ,die Guten‘?“ Einen unerwarteten Verlauf nahm der Abend, als Steffen Marciniak sich kurz vor dem geplanten Ende der Veranstaltung mit der Frage ans Publikum wandte: „Wer gewinnt? Was heißt hier ,gewinnen‘?“. Die etwas provokante Antwort eines Gastes in der „Nachspielzeit“ führte zu der drängenden Forderung einer anderen Teilnehmerin, den Abend nicht zu beenden, bevor man dies ausdiskutiert hätte. Aber hören Sie selbst:

Text: Frank Träger

Nächste Veranstaltung

„Bürger gegen Künstler: Thomas Manns TRISTAN“
Lektüreabend / Offenes Literarisches Quartett

10.06.2016, 20:00 Uhr
Literaturhaus Berlin

Erste gemeinsame Veranstaltung der KLAUS MANN INITIATIVE BERLIN e. V. mit dem Thomas-Mann-Kreis e. V.

Eintritt 5 / 3 Euro

Der Eintritt dient ausschließlich zur Deckung der Mietkosten. Für Mitglieder beider Gesellschaften ist der Eintritt frei.

Akteure:
Dr. Tim Lörke, Berlin
Valentina Savietto, Verona
Steffen Marciniak, Berlin
Frank Träger, Herzberg (Elster)

Wir bitten Sie um die Vorablektüre des Werkes. Aber auch Gäste, die im Vorfeld keine Gelegenheit zum Lesen der Novelle hatten, werden die Veranstaltung mit Gewinn erleben.

Zudem bitten wir ausdrücklich um Ihre Anmeldung per E-Mail. Platzreservierungen sind bis zehn Minuten vor Veranstaltungsbeginn möglich.
E-Mail: KLAUS-MANN-INITIATIVE-BERLIN@t-online.de

Foto: André Köhler, 2011. [c] Literaturhaus Berlin

Eine frohe Botschaft: Die Ausstellung „The Literary Mann Twins“ findet statt

Nach dem Scheitern unserer Crowdfunding-Aktion – nur 11 Prozent des Funding-Ziels wurden erreicht – tritt nun „Plan B“ in Kraft. Der Kurator der Ausstellung, Wolfgang Theis, bedauert dKlaus-and-Erika-1927as Scheitern und würdigt aber das Engagement der Initiative. Die Ausstellung zu Erika und Klaus Mann wird nun aus den Mitteln des Schwulen Museums* Berlin finanziert und läuft damit in alleiniger Verantwortung des Museums. Allerdings wird Wolfgang Theis deutlich machen, dass der Anstoß von der Klaus Mann Initiative kam.

Das geplante Rahmenprogramm bleibt davon unberührt. Die Klaus Mann Initiative hat ein vielfältiges Angebot auf die Beine gestellt. Während der Zeit der Ausstellung wird es Veranstaltungen mit Frau Prof. Irmela von der Lühe, Frau Prof. Renate Berger und Dr. Fredric Kroll geben. Der Clou wird die Aufführung der Bühnenfassung von Klaus Manns Biografie „Der Wendepunkt“ sein.

Das Stück unter der Regie von Maria Trautmann wird am 110. Geburtstag in der Kreuzberger „Lettrétage“ aufgeführt. Auch im Schwulen Museum* selbst wird es eine Veranstaltung der Klaus Mann Initiative geben. Frank Träger und Konstantin Rau wiederholen ihr fiktives Gespräch zwischen Thomas und Klaus Mann in Sachen Homosexualität.

Die Ausstellung wird wahrscheinlich am 27. Oktober 2016 eröffnet und läuft bis zum Januar 2017. Bitte informieren Sie sich zeitnah, auch was das Rahmenprogramm angeht. Das Schwule Museum* wird Führungen durch die Ausstellung anbieten.

Informationen zu allen Veranstaltungen der Klaus Mann Initiative finden Sie hier.

Bildnachweis: Verwendung mit freundlicher Genehmigung der Monacensia München

Nachlese: Junge Poeten

Junge Poeten – Ich bin, also schreibe ich. Poesie als Nahrung

Eine Dichterlesung von Florian Wolf-Roskosch und Rico Kullik
am 17.02.2016 in der Lettrétage Kreuzberg:

 

Aus der Annotation: Wir leben in unsicheren Zeiten. Wer heutzutage Gedichte schreibt, gilt als Sonderling. Doch rufen nicht gerade die Krisen und Abgründe das Schreiben auf den Plan? Der Schriftsteller Klaus Mann verdichtete zeitlebens seine Hoffnungen und Träume in Romanen und Erzählungen. Breiten Raum nahmen dabei auch die Schattenseiten der Seele ein. Der Problematik von ,,Kunst und Leben“ wollen zwei junge Autoren, Florian Wolf-Roskosch und Rico Kullik, in ihren eigenen Dichtungen nachspüren.

„Ich bin, also schreibe ich. Poesie als Nahrung“ fragt nach der Notwendigkeit des Schreibens, nach dem nahezu körperlichen Bedürfnis nach Tagtraum, Flucht und Melancholie. Dabei könnte es sein, dass der Grundkonflikt zwischen Dionysos und Apollon in den Versen an die Oberfläche durchbricht…

Eine Veranstaltung der Klaus Mann Initiative Berlin e.V.
Wir sind Institutionelles Mitglied des Vereins Lettrétage e.V.