Berichterstattung

Ein Interview mit Frank Träger in der LAUSITZER RUNDSCHAU über die Martinée zu „Klaus Manns Berlin“ im Schloss Grochwitz (16.11.2014) hier ein Link zum vollständigen Artikel.

 

Die taz über die KLAUS MANN INITIATIVE und die Veranstaltung „Ethos und Diktatur – Gustaf Gründgens vs. Klaus Mann“ (18.06.2013)hier geht’s zum Artikel.

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Frank Träger über die Veranstaltung „Ethos und Diktatur – Gustaf Gründgens vs. Klaus Mann“ (18.06.2013):

Wie in einen Zeugenstand wurde der Gustaf Gründgens – Biograf Dr. Thomas Blubacher von den beiden Vorständen der KLAUS MANN INITIATIVE BERLIN, Frank Träger und Konstantin  Rau, gerufen. Credoder beiden: „Wir betrachten Thomas Blubacher als einen Experten, der uns hilft, Klaus Mann, seine Zeit und sein soziales Umfeld besser zu verstehen.“ Gegenstand war das Verhalten der einstigen Freunde Klaus Mann und Gustaf Gründgens während der Zeit des Nationalsozialismus. Im Gespräch brillierte Thomas Blubacher, der zwanzig Jahre über Gründgens gearbeitet hat, mit einem enormen Faktenwissen. Die in der Natur der Sache liegende Kontroversität kam im zweiten Teil der Veranstaltung jedoch auch zu ihrem Recht.

 

DER TAGESSPIEGEL über Klaus Mann und den Festvortrag von Dr. Fredric Kroll (17.11.2012) Fluch der Herkunft.

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Valentina Savietto mit einem Review des Festvortrages anlässlich der Gründung der KLAUS MANN INITIATIVE BERLIN am 17. November 2012 in der Literarischen Buchhandlung „Der Zauberberg“, Berlin-Friedenau:

Klaus Mann und die Musik

Am Vorabend von Klaus Manns 106. Geburtstag sammelte sich eine Gruppe neugieriger Zuhörer in der Literarischen Buchhandlung Der Zauberberg (Berlin-Friedenau). Der Vortragende war Fredric Kroll, ein Literaturwissenschaftler aus New York, der sich derzeit vorrangig mit Musik und Komposition beschäftigt. Seit der Mitte der 70er Jahre ist er der Hauptvertreter der Klaus-Mann-Forschung, die der Schweizer Kritiker Fritz Strich in seinem Aufsatz für Klaus Mann zum Gedächtnis (1950) begonnen hat. Bis 2006 verfasste Kroll einen Kommentar zum Gesamtwerk Klaus Manns: Die Klaus-Mann-Schriftenreihe steht beim Männerschwarm Verlag Hamburg mit ihren sechs Bänden zur Verfügung.

Das Thema des Abends war das Verhältnis Klaus Manns zur Musik, das – trotz seines Musikerromans Symphonie Pathétique (1935) – von den Kritikern bislang übersehen wurde. Hingegen war es Fredric Krolls Absicht, Zitate aus dem Prosawerk und den Tagebüchern Klaus Manns zur Frage „Musik und Musiker“ vorzustellen und zu interpretieren. Dazu ließ er die entsprechenden Musikstücke auf CDs spielen. So erklangen Auszüge aus Kompositionen von Tschaikowsky, Mahler, Bach, Mozart und anderen.

Fredric Kroll hat seinen Vortrag mit dem Motiv der Erinnerung begonnen. Während das Neue Testament »Im Anfang war das Wort« behauptet, steht das Erinnerungsvermögen am Anfang von Klaus Manns Schaffen. Die Bedeutung der Erinnerung kennzeichnet z.B. den Geist der Musik Tschaikowskys und dem russischen Komponisten widmete der Schriftsteller einen Roman seiner europäischen Exilperiode. Klaus Mann verfasste ihn, nachdem er zusammen mit dem Freund Fritz Landshoff ein Konzert am Concertgebouw in Amsterdam erlebte (Tb. 7.01.1934). Das Thema der Erinnerung wird in Klaus Manns „Lied von den verlorenen Gesichtern“ veranschaulicht und ist mit Tschaikowskys 4. Sinfonie in F-Moll verwandt, von der ein Auszug aus dem zweiten Satz in der Buchhandlung zu Gehör gebracht wurde.

Die Rolle der Musik taucht schon im ersten Roman Der fromme Tanz (1925) auf, allerdings wird der erste richtige Musiker in Treffpunkt im Unendlichen (1932) in der Gestalt von Richard Darmstädter beschrieben. Er genießt die Wollust der Musik anhand der »orgiastische[n] Sentimentalität« eines amerikanischen Tangos.

Die traurige und tödliche Stimmung des Aufbruchs ins Exil wurde mit einem Auszug aus den Kindertotenliedern von Gustav Mahler vergegenwärtigt: Sofort nach der Machtergreifung entschloss sich Klaus Mann mit seiner geliebten Schwester Erika zum Exil. Das Erinnern hatte aber für ihn nicht nur melancholische Aspekte, sondern auch eine positive Bedeutung. So wurde als drittes Stück die Arie Erbarme dich, mein Gott, um meiner Zähren willen aus der Matthäus-Passion gespielt, denn als Klaus Mann das Bach’sche Werk im Concertgebouw erlebte (Tb. 13.04.35), erinnerte er sich daran, dass er im Knabenchor unter der Leitung Bruno Walters in München bei einer Aufführung dieses Werks mitgewirkt hatte.

Auch in seinem umstrittenen Schlüsselroman Mephisto. Roman einer Karriere geht es mitunter um Musik. Die Hauptfigur, der Schauspieler Hendrik Höfgen, singt zum Text eines oft von Gründgens vorgetragenen Liedes mit dem Refrain: „Ich will ja gern verwildern“, das Fredric Kroll seinem Publikum in der Originalaufnahme von Gründgens vorspielte. Auf ein Beispiel der Politisierung der Musik griff Klaus Mann in seiner Reportage über den spanischen Bürgerkrieg zurück, den der Schriftsteller 1938 mit Erika als antifaschistischer Aktivist persönlich erlebte. Beide versuchten, die schwer bedrängten Truppen der Volksfrontregierung zu ermutigen und ihnen die Solidarität der anderen europäischen Völker mit den Loyalisten zu bekunden. Um Klaus Manns Zeugnis zu intensivieren, hörte das Publikum eine Aufnahme der metallisch schneidenden Marschmusik „Die Heimat ist weit – doch wir sind bereit!“, gesungen von Ernst Busch, nachdem Kroll den entsprechenden Abschnitt aus dem Wendepunkt (1949) gelesen hatte.

Die Reise durch Klaus Manns musikalische Vorlieben führte das Publikum in die Werke der amerikanischen Exilzeit weiter. Nach dem Anschluss von Österreich und der Tschechoslowakei siedelte Klaus Mann nach New York über, wo er meistens im Hotel Bedford lebte. 1939 verfasste er seinen großen Emigrantenroman Der Vulkan. Hier wird Beethovens Mondscheinsonate in einer Szene voller Sehnsucht erwähnt: Während sich Benjamin Abel, Professor aus Bonn, rasieren lässt, spielt das Radio die berühmte Sonate, wobei sie störende Jazz-Rhythmen überwindet. Ihn überfällt das Gefühl der Einsamkeit, und ihm erscheint die Melodie wie die einer Mutter. Fredric Kroll lud also zum ersten Satz der Mondscheinsonate in Cis-Moll ein, bei deren Klängen Abel sich wie ein »sentimentaler, deutscher alter Narr« vorkommt.

In den USA begann Klaus Mann auf Englisch zu schreiben, und Speed war seine erste Erzählung in englischer Sprache. In Hennessy mit drei Sternen wird die Entwurzelung von Catherine, einer Amerikanerin, geschildert. Hinter ihrer Figur steckt nicht nur eine Verbeugung Klaus Manns vor Ernest Hemingway, dessen Heldin in A Farewell to Arms auch Catherine heißt, sondern womöglich auch die Pariser Sängerin Édith Piaf. Sie begann ihre Karriere 1937, was der deutsche Schriftsteller damals mitbekommen haben mag. Im Zauberberg erschallte folglich das berühmte Lied Non, je ne regrette rien.

Auch während des Zweiten Weltkriegs blieb die Mann’sche Verbindung zur europäischen Musik unerschütterlich. Beispiele dafür sind das Präludium und Fuge in Cis-Moll von Johann Sebastian Bach und das Genie Mozarts, mit dem sich der Autor noch im Dezember 1941 auseinandersetzte, wie die im Wendepunkt eingetragene fiktive Notiz vom 20.12.1941 zeigt. Der Vortragende ließ die Ouvertüre zur Oper Die Zauberflöte abspielen, die Klaus Mann mit warmen Worten »von der holden Erhabenheit, der lächelnden Majestät« bezeichnete. In dem fiktiven Tagebuch seiner Autobiografie The Turning Point (Eintrag vom 6.06.1942) sprach Klaus Mann auch von Hugo von Hofmannsthal und von seiner Mitarbeit an den Opern von Richard Strauss. Dieser stellte wegen seines Verhältnisses zur Diktatur die antinationalsozialistischen Intellektuellen auf eine harte Probe. Im Gegensatz dazu gehörte Hofmannsthals Libretto von Der Rosenkavalier Klaus Manns Empfinden nach zum Feinsten, das für die Gattung „Oper“ jemals geschrieben wurde. Während Klaus Mann auf das Dichtwerk Hofmannsthals und dessen Vertrautheit mit dem Gefühl der Vergänglichkeit zurückgriff, stellte Richard Strauss hingegen den Verfall der künstlerischen Moral und Sensibilität dar. Dies empfand der Autor besonders im Laufe eines Interviews, das er mit Richard Strauss 1945 als Reporter für die amerikanische Armeezeitung Stars & Stripes machte.

In der Zeit des Kalten Krieges entwickelte der Sohn Thomas Manns einen wachsenden Ekel vor den politischen Zuständen, weil viele Nazifunktionäre und Mitläufer nach 1945 schnell wieder ins Amt gelangten. Außerdem fühlte er Angst vor der Selbstauslöschung der Menschheit in einem Atomkrieg, und nach seinem Wunsch sollte sein eigener Tod die Menschen davor warnen. Die Gründe für seinen Selbstmord sind vielfältig: Jedenfalls im Mai 1949 konnte Klaus Mann gegen seine lebenslange Todessehnsucht keinen Widerstand mehr aufbringen. Am 9.05.1949 verfasste er seine letzte Tagebucheintragung von musikalischem Interesse. Es könnte sein, dass das Motiv des Regens, das die Novelle Vergittertes Fenster (1937) auch beeinflusste, nicht nur die Stimmung seiner letzten Tage in Cannes prägte, sondern auch das letzte Konzert, dem er beigewohnt hat, da Chopin auf dessen Programm stand. Dementsprechend ließ Fredric Kroll sein Publikum das Regentropfenpräludium in Des-Dur von Frédéric Chopin hören.

Der Komponist und Literaturwissenschaftler kam danach mit einer Art Requiem auf Klaus Mann zum Schluss: Als musikalischen Höhepunkt wählte er eine Aufnahme aus dem Jahre 1941, dirigiert von Willem Mengelberg, von dem letzten Satz „Adagio Lamentoso“ aus Peter Iljitsch Tschaikowskys Symphonie Nr. 6 in H-Moll, wobei er die Zuhörer auf die Tempowechsel und das sogenannte „Schluchzen“ der Geigen aufmerksam machte. Die von Kroll vorgelesene Sterbeszene des Protagonisten von Symphonie  Pathétique erklang, der Musik Tschaikowskys unmittelbar gegenübergestellt, in den Ohren der Zuhörer als perfekte synästhetische Schilderung von Klaus Manns Ende.

Valentina Savietto lebt und studiert in Verona (Italien). Die junge Doktorandin schreibt ihre Arbeit über Klaus Mann. Valentina ist im Gründungsvorstand der KLAUS MANN INITIATIVE BERLIN.

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Markus Reiniger mit einer Reportage über die Gründungsveranstaltung der KLAUS MANN INITIATIVE BERLIN (16. / 17.11.2012):

 Eigeninitiative für Klaus Mann

63 Jahre nach dem Suizid des Schriftstellers gründet sich ihm zu Ehren in Berlin ein Verein

Frank Träger schaut nervös auf seine schwarze Armbanduhr. Es ist Freitagabend, das Café des „Literaturhauses“ im Berliner Bezirk Charlottenburg ist sehr gut gefüllt. Leise Unterhaltungen schwirren durch die verwinkelten Räume, alles wirkt sehr alt, wertvoll und gehoben. An so einem Ort treffen sich keine Jugendlichen vor dem Clubbesuch, hier werden wichtige Gespräche geführt, Promotionen gefeiert, Geschäftspartner umgarnt und an diesem kühlen, vorwinterlichen Novemberabend sogar eine Literaturgesellschaft gegründet: Die „Klaus Mann Initiative Berlin“.

Mittlerweile ist es 20 Uhr, es wird ernst. Frank Träger schaut hinüber zu seinen Mitstreitern, zwei sind schon da. Sie sind Studenten, beide Anfang zwanzig, einer von ihnen, Konstantin Rau, wird an diesem Abend zum vermutlich jüngsten Vizevorsitzenden einer Literaturgesellschaft in ganz Berlin ernannt werden. Er fährt sich mit der rechten Hand durch seine brünetten Locken. Sein Gesicht wirkt entspannt, wenn er aufgeregt sein sollte, dann kann er es gut verbergen. Frank Träger und sein zukünftiger Stellvertreter kennen sich schon seit über zehn Jahren. Damals waren sie noch Lehrer und Schüler an einem Gymnasium in der brandenburgischen Provinz, heute werden sie zum Vorsitzenden und Vizevorsitzenden einer Initiative, die sich dem Leben und Schaffen des ältesten Sohnes von Thomas Mann widmet.

Klaus Mann, der Autor von Romanen wie „Treffpunkt im Unendlichen“ und „Mephisto“, wurde am 18. November 1906 in München geboren. Der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki bezeichnete ihn einst als einen „dreifach Geschlagenen“ und spielte damit auf Klaus Manns Homosexualität, Drogensucht und die konfliktreiche Beziehung zum weltberühmten Vater an. „Er hat sein Leben so gelebt, wie der Vater es nie konnte“, erklärt Konstantin Rau an diesem Abend des 16. November 2012 im „Literaturhaus Berlin“, mehr als 63 Jahre nachdem sich Klaus Mann in Cannes das Leben nahm. Frank Träger war vor kurzem dort und hat auf dem Grabstein des Schriftstellers einen kleinen Stein platziert. Darauf steht „Freiheit ausleben,Freiheit verteidigen“ und natürlich „Klaus Mann Initiative Berlin 2012“.

20.15 Uhr, immer noch sitzen die drei Männer alleine auf der unbequemen Eckbank, vor ihnen eine makellos weiße Tischdecke. „Möchten sie schon etwas trinken?“, fragt eine schüchterne Kellnerin. Träger lacht und bittet sie freundlich, noch einen Moment zu warten, immerhin erwarte man noch einige Gäste. Unter ihnen ist eine in Klaus Mann-Kreisen äußerst bekannte Person: Dr. Fredric Kroll, gebürtiger US-Amerikaner und Verfasser einer sechsbändigen Schriftenreihe über den Autor. Er wird am darauffolgenden Abend in der literarischen Buchhandlung „Der Zauberberg“ einen Festvortrag mit dem Titel „Ein Konzert für Klaus Mann“ halten. Soweit die Planung. Und während Frank Träger erzählt, wie er in der Nacht zuvor mit Fredric Kroll in einer winzigen Kneipe saß, betritt der 67-jährige Schriftsteller und Komponist fast unbemerkt den Raum. Er ist in Begleitung einer Frau, auf dem Kopf trägt er eine schwarze Schapka, ein weißer Bart verdeckt einen Teil seines Gesichtes. Frank Träger steht erleichtert auf und schreitet stolz auf ihn zu. Das Ehrenmitglied ist da, jetzt kann, nein muss der Abend ein Erfolg werden.

Es wäre ihm zu gönnen, schließlich war der Weg bis in das „Literaturhaus“ ein schwieriger. Enttäuscht von anderen Literaturgesellschaften beschloss der 53-jährige Lehrer für Politik und Ethik im März 2012, selbst eine solche zu gründen. Allerdings auf seine persönliche Weise. Das bedeutet: Es ist jeder unabhängig von akademischen Titeln oder sozialer Herkunft willkommen, der sich für Klaus Mann interessiert. Dieses Vorhaben in die Tat umzusetzen,gestaltete sich allerdings schwieriger als gedacht. „Meine größte Sorge war, dass ich Tagträumer und Großmäuler in den Verein bekomme. Die Resonanz ist ernüchternd – noch nicht einmal die kommen“, berichtete Frank Träger zwei Monate vor der Gründung am Telefon, wenige Tage nachdem er im „Berliner Büchertisch“ einen Vortrag zum Thema „Klaus Manns Berlin“ gehalten hatte. Die Besucherzahlen waren gering, das Interesse an der Initiative ebenfalls.

Die für die Gründung eines Vereins nötige Anzahl von sieben Personen hat er trotzdem zusammenbekommen. Eine von ihnen ist Dagmar Schwind, die Begleitung von Fredric Kroll, eine weitere die 25-jährige italienische Studentin Valentina Savietto. Mit einem strahlenden Ausdruck im Gesicht begrüßt die Doktorandin an der Universität Verona in perfektem Deutsch ihre zukünftigen Vereinsmitglieder. Mann-Fan Träger wirkt zufrieden. „Ich bin dankbar, dass sich mir eine Handvoll interessanter Persönlichkeiten angeschlossen hat“, wird er später noch sagen. Dass der Altersschnitt der Initiative verhältnismäßig niedrig ist, sieht er als entscheidenden Vorteil: „Es geht nicht nur darum, die Fackel weiterzugeben. Die Generationen sollen sich gegenseitig aneinander reiben und sich etwas geben können. Daran kann eine unglaubliche Faszination liegen.“

Dass die Chemie zwischen den Anwesenden stimmt, wird schnell deutlich. Es gibt Wein und gutes Essen, auf den anfänglichen Smalltalk folgen intensive Gespräche über Kunst, Musik und die Familie Mann. Fredric Kroll redet weniger, als er könnte, er hält sich zurück, spart seine Kräfte für seinen bevorstehenden Vortrag im „Zauberberg“, dem regulären Veranstaltungsort des „Thomas-Mann-Kreises Berlin“, der am 17. November ganz im Zeichen von Klaus Mann stehen soll. Diesmal sind die Plätze im Publikum gut gefüllt, viele waren schon häufiger hier, das Durchschnittsalter liegt deutlich über sechzig. Fredric Kroll schaut zufrieden in die Runde und beginnt seinen fast zweistündigen Vortrag über Musikstücke, die in den Werken von Klaus Mann thematisiert werden. Immer mehr Interessierte finden den Weg in die Buchhandlung, die alte Tür neben der kleinen Bühne wird ständig geöffnet und wieder geschlossen. Es ist unruhig, der 67-jährige Autor findet nicht sofort zu seinem Vortrag, seine Worte wirken sprunghaft, es fällt schwer, ihm in seinen Gedanken zu folgen. Einige Minuten vergehen, dann ist Fredric Kroll im „Zauberberg“ angekommen. Es ertönen Beethoven, Bach und Mozart – die Großen der Musikgeschichte. Und zwischen ihnen immer wieder Klaus Mann. Das alteingesessene Publikum ist begeistert, die etwas jüngeren Besucher fallen in ihrer geringen Anzahl kaum auf.

Dabei müsste es doch eigentlich anders sein, meint Konstantin Rau: „Ich finde, Klaus Mann spiegelt in seinem Leben und Wirken das Lebensgefühl vieler, vor allem junger Berliner wider. Es geht da um Selbstverwirklichung, Freiheitsstreben und in krasseren Formen auch um gnadenlosen Hedonismus. Das sind alles Dinge, wegen denen die Menschen nach Berlin kommen.“ „Eine mutige, aber berechtigte These“, wie Frank Träger im Café des „Literaturhauses“ betont. Das Essen ist mittlerweile vorbei, jetzt folgt eine kurze Ansprache seinerseits. „Ich wollte schon immer eine Art Intellektuellen-Gemeinschaft“, erzählt er glücklich und blickt dabei seine Mitstreiter nacheinander an. Die Stimmung ist gelassen, so als kenne man sich untereinander schon länger als zwei Stunden.

22.30 Uhr: Der Moment ist gekommen. Mit zunehmender Nervosität holt der Vorsitzende die in mühsamer, nächtlicher Kleinarbeit verfasste Vereinssatzung aus seinem grünen Rucksack. Erwartungsvoll legt er sie vor sich auf den Tisch, daneben einen schwarzen Stift. Erklärungen sind jetzt nicht mehr nötig, nacheinander unterschreiben die sechs Gründungsmitglieder unter dem letzten Absatz, danach stoßen sie an. Am darauffolgenden Abend werden noch Dr. Wilfried Opitz, Vorsitzender des „Thomas-Mann-Kreises Berlin“, und Christian Däubler von der „Friedrich-Naumann-Stiftung“ ihre Unterschriften nachholen – dann ist es vollbracht.

„Ein Konzert für Klaus Mann“ soll nur eine von vielen Veranstaltungen sein, mit denen die Initiative „dabei helfen möchte, das Werk des Essayisten, Romanciers und Erzählers im Bewusstsein der Öffentlichkeit zu verankern.“ So steht es auf der Vereinshomepage geschrieben. Den Auftakt bildet eine kurze Vortragstour durch verschiedene kleinere Buchhandlungen in Berlin und Potsdam. Das Thema: „Klaus Manns Berlin“. Bleibt nur zu hoffen, dass mehr Besucher kommen als in den „Berliner Büchertisch“.

Markus Reiniger studiert zurzeit an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg „MultiMedia und Autorschaft“. Er ist Gründungsmitglied unserer Gesellschaft.

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