„Schön, dass Sie Klaus Mann Frischluft zufächeln!“

Ein Nachtrag in eigener Sache: Die KLAUS MANN INITIATIVE BERLIN e. V. wurde fast einstimmig zum Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Literarischer Gesellschaften und Gedenkstätten e. V. (ALG) gewählt.

Die Location und der Zeitpunkt (und auch das Wetter) hätten besser nicht sein können. Die ALG führt ihre Jahrestagungen eigentlich in der Provinz durch. Zum 30. Geburtstag versammelten sich die Vertreter dann doch in der Hauptstadt. Nach einem vielfältigen Programm trafen sich die Delegierten am Sonntag, den 29. Mai 2016, zu ihrer Mitgliederversammlung im Berliner Brecht-Haus.bild-1-alg-mv-29-05-2016-img_5214

Haupttagesordnungspunkt war die Aufnahme neuer Mitglieder. Voraussetzung für eine Aufnahme ist die Erarbeitung eines umfänglichen Aufnahmeantrages mit dem Nachweis von Aktivitäten in den vergangenen drei Jahren. Eine Forderung, der die KLAUS MANN INITIATIVE mühelos nachkommen konnte. Ein Ausdruck der Veranstaltungschronik war der Beweis für eine vitale und vielfältige Vereinsarbeit. Zudem musste unsere Initiative zwei Befürworter finden, die quasi als „Bürge“ für unsere Gesellschaft auftraten. Mit den schriftlichen Befürwortungen des Lettrétage e. V. (Moritz Malsch) und der Deutschen Thomas-Mann-Gesellschaft Sitz Lübeck e. V. (Prof. Hans Wisskirchen und Dr. Tim Lörke) hatte wir zwei prominente Fürsprecher, die zudem für die freie Szene bzw. für den etablierten Literaturbetrieb stehen. Die Befürwortung aus Lübeck war für uns eine „Fürsprache von ganz oben“.befuerwortung

Schlusspunkt des Verfahrens war die persönliche Vorstellung eines Vertreters der aufzunehmenden Gesellschaften, die Befragung und die Abstimmung der Mitgliederversammlung. Unsere Initiative wartete mit einem Clou auf: Gleich zwei Vertreter, Frank Träger (Vorsitzender) und Konstantin Rau (Vize), stellten den Verein vor und kokettierten mit ihrem dreißigjährigen Altersunterschied: „Der ist u. a. Programm!“ In einem frischen Pingpongspiel provozierten die beiden die meisten Lacher und die meiste Empörung. Der Tagungsort bot eine Steilvorlage: Für Konstantin Rau stellte die Location die „Höhle des Löwen“ dar. Konstantin beteuerte: „Damit ist nicht etwa die ALG gemeint, sondern der ehemalige Hausherr. Bertolt Brecht nannte unseren Namensgeber ‚Kläuschen Mann‘ ein stilles Kind, das wieder im Mastdarm des seligen Opapa spielt‘. Damit war aller Wahrscheinlichkeit nach der seines Vaters, des Literaturnobelpreisträgers Thomas Mann, gemeint.“

Auf Widerstand stieß eine Äußerung von Frank Träger: Was die Mitglieder angeht, so achten wir vor allem auf deren Qualität. Entsprechend haben wir kein Beitrittsformular, sondern einen Aufnahmeantrag, über den – gemäß unserer Intention und unserer Satzung – der Vorstand entscheidet. Schließlich wollen wir unsere potentiellen Mitstreiter erst einmal kennenlernen. Zwei ALG-Mitglieder unterstellten, dass es sich bei diesem Vorgehen um eine „Selektion“ handeln würde. Frank Träger machte geltend, dass das Berliner Finanzamt und das Amtsgericht Charlottenburg die Satzung, die dieses Verfahren regelt, anstandslos akzeptiert haben. Schützenhilfe gab es von prominenter Seite: von der Präsidentin der Ernst Bloch-Gesellschaft, Frau Prof. Dr. Francesca Vidal, und von der Geschäftsführerin der ALG, Christiane Kussin. Dr. Elisabeth Tworek, seit 1994 Leiterin der Monacensia in München und in Personalunion Schatzmeisterin der Arbeitsgemeinschaft Literarischer Gesellschaften und Gedenkstätten e. V., bedachte uns sogar mit einem wunderbaren Kompliment: „Schön, dass Sie Klaus Mann Frischluft zufächeln!“. Während einige Kandidaten mehrere Gegenstimmen einstecken mussten, erhielt die KLAUS MANN INITIATIVE – bis auf eine Enthaltung – alle Stimmen. Schlussendlich wurden alle Kandidaten aufgenommen, sobild-3-heinrich-mann-grab-29-05-2016-alg-img_5205 auch die Internationale Gisela Elsner Gesellschaft e. V., die Kinder des Sisyfos – Freundeskreis Erasmus Schöfer e. V., die Christa Wolf Gesellschaft e. V., die MÄRZ Gesellschaft e. V., die Harry-Graf-Kessler-Gesellschaft und das Internationale Jacob Böhme-Institut.

Übrigens: Unmittelbar vor der Versammlung besuchten Frank Träger und Konstantin Rau das Grab des Onkels von Klaus Mann auf dem unmittelbar benachbarten Dorotheenstädtischen Friedhof und ehrten Heinrich Mann mit einer weißen Rose.

Text: Frank Träger

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