Unsere nächste Veranstaltung:

IM STRUDEL DER PROMISKUITÄT
Fiktives Gespräch Thomas Mann vs. Klaus Mann in Sachen Homosexualität

Ludwig_von_Hofmann_Die_Quelle_1913Zum Bild:
Ludwig von Hofmann: Die Quelle (ca. 1913);
Bildnachweis: Thomas-Mann-Archiv der ETH Züric; Link: hier und hier;
mit freundlicher Genehmigung der Ludwig-von-Hofmann-Gesellschaft Potsdam e.V.; nach Angabe der Verwertungsgesellschaft Bild-Kunst Bonn ab 2015 lizenzfrei

Zur Veranstaltung:
Am 21. Mai 1949 starb Klaus Mann „von eigener Hand“ in Cannes. Eine vielschichtige Gemengelage aus persönlichen und gesellschaftlichen Gründen hat zu dieser verhängnisvollen Entwicklung geführt. Schon seit mindestens fünfzehn Jahren plagten Klaus Mann Stimmungsschwankungen. Das Experimentieren mit Drogen – nachhaltig beschrieben in seinem Roman „Treffpunkt im Unendlichen“ – führte zu Abhängigkeit und Sucht. Die Jahre der Emigration waren von rastloser Arbeit geprägt: Kraftquell in diesen Jahren waren sein Wirken als verantwortungsvoller Intellektueller und die unstillbare Hoffnung, mit der „Macht des Wortes“ etwas bewegen zu können. Misserfolge bei der Sammlung antifaschistischer Kräfte nährten Zweifel und verschärften seine Depressionen. Als Konsequenz schloss sich der ehemalige Dandy der US-Army an und wurde ein Teil einer militärischen Maschinerie. Der bittere „Lohn“ nach der Niederringung des NS-Regimes war der Kalte Krieg, der alle Hoffnungen Klaus Manns auf einen Neuanfang in Deutschland, Europa und der Welt zerstörte. Das „Prinzip Hoffnung“ hatte für ihn ausgedient.

Sein Vater Thomas Mann wertete den Freitod seines Sohnes wie folgt: „Er starb gewiss auf eigene Hand und nicht, um als Opfer der Zeit zu posieren. Aber er war es in hohem Grade.“

Das von Mitgliedern der Klaus Mann Initiative Berlin erarbeitete fiktive Gespräch zwischen Vater und Sohn orientiert sich an literarischen Werken beider Autoren und am aktuellen Stand der Forschung. Auf spekulative Elemente wurde bewusst verzichtet. „Fiktiv“ ist, dass der Sohn, der Anfang 1949 die Absicht geäußert hatte, dieses Jahr nicht überleben zu wollen, vor seinem Freitod das Gespräch mit dem Vater sucht. Zu ihm hatte Klaus ein ambivalentes Verhältnis: Einerseits stand er von Anfang an im Licht des Literatur-Nobelpreisträgers, andererseits grämte er sich in dessen Schatten und schöpfte seine Identität aus dem Status, ein Gegenentwurf zum berühmten Vater zu sein. Und so wurde eine Gemeinsamkeit zu einem Konfliktfeld: Vater und Sohn gingen höchst unterschiedlich mit ihrer Homosexualität um. Es ist kein Austausch zwischen Vater und Sohn in dieser Frage nachweisbar. Das fiktive Gespräch konfrontiert diesbezügliche Zitate aus Leben und Werk Thomas und Klaus Manns ohne der Versuchung zu erliegen, beideKlaus Mann Collage über gelb auf das Thema „Homosexualität“ zu reduzieren.

IM STRUDEL DER PROMISKUITÄT – Fiktives Gespräch Thomas Mann vs. Klaus Mann in Sachen Homosexualität / Szenische Lesung

Wer: Frank Träger und Konstantin Rau, KLAUS MANN INITIATIVE BERLIN e.V.
Wann: Dienstag, 17. November 2015, 20:00 Uhr
Wo: Lettrétage – das junge Literaturhaus in Kreuzberg, Mehringdamm 61, 10961 Berlin

Beiderseits unverbindliche Anmeldung: hier!

Die KLAUS MANN INITIATIVE BERLIN e.V. ist institutionelles Mitglied des Vereins Lettrétage e.V.; der Veranstaltungsort des Literaturhauses Lettrétage in Kreuzberg war bis 2013 Heimstatt des Schwulen Museums Berlin.

Text: Frank Träger