„Von der Schwierigkeit, Wollust zu genießen“

„Es geht nicht um die Anbetung der Asche, sondern um das Schüren der Flamme!“

Konstantin Rau, der 22-jährige Vizevorsitzende der KLAUS MANN INITIATIVE BERLIN, erläuterte am Konstantin Rau18. Juni 2013 bei der Eröffnung der Veranstaltung „Ethos und Diktatur – Klaus Mann vs. Gustaf Gründgens“ im Großen Saal des Literaturhauses Berlin das Credo unserer in mehrfacher Hinsicht jungen Literaturgesellschaft: „Es geht uns nicht um die ‚Anbetung der Asche‘, sondern – wie Gustav Mahler Jean Jaures zitiert – um das ‚Schüren der Flamme‘: Die Fragen, die Klaus Mann sich und seiner Zeit stellte, sind – unserer Meinung nach – brennend aktuell. Die Bandbreite dieser Fragestellungen reicht vom Ausleben des eigenen Soseins bis hin zur Frage nach der persönlichen Verantwortung für das Funktionieren oder die Verhinderung und Bekämpfung von Gewaltherrschaft.“

Nachdem wir in 2013, also im ersten Jahr unserer Initiative, vor allem das politische Verantwortungsbewusstsein Klaus Manns thematisierten, wird in 2014 der sinnliche Aspekt dominieren: Klaus Mann betrachtete seine Homosexualität als ein Fundament seines Nonkonformismus, als Adelszeichen seiner Identität. Zu seinem Vater Thomas Mann hatte Klaus ein ambivalentes Verhältnis: Einerseits stand er von Anfang an im Licht des Literatur-Nobelpreisträgers, andererseits grämte er sich in dessen Schatten und schöpfte seine Identität aus dem Anspruch, ein Gegenentwurf zum berühmten Vater zu sein. Und so wurde eine Gemeinsamkeit zu einem Konfliktfeld: Vater und Sohn gingen höchst unterschiedlich mit ihrer Homosexualität um…

Es stellt sich die Frage nach dem Umgang mit der Wollust. Ähnlich wie Julien Offray de La Mettrie („Die Kunst, Wollust zu empfinden“) oder Johann Ludwig Julius Dedekind („Die Kunst Wollust zu genießen…“) wollen wir nicht nur den hedonistischen Aspekt, sondern auch das höchst Problematische der Wollust thematisieren: Das Versagen des Menschen im Umgang mit der „Todsünde“ kann unsagbares Leid über ihn selbst und seine Nächsten bringen. Darum soll 2014 unter dem Motto „Von der Schwierigkeit, Wollust zu genießen“ stehen.

Natürlich sind Denken und Handeln von Klaus Mann und die Reaktionen seiner Umwelt darauf teilweise dem damaligen Zeitgeist geschuldet. Aber der Umgang mit unseren Trieben ist ein Thema, das so lange aktuell ist, wie es uns Menschen gibt.

Wir haben vor, das Thema in einer Art Trilogie zu bearbeiten:

I. »Wir wurden in ein Landerziehungsheim geschickt …«

Klaus Mann und seine Geschwister in Internatsschulen.

„Als Erika und Klaus Mann zusammen mit anderen Jugendlichen eine „Bande“ bildeten und „schweren Unfug“ verübten, sahen ihre Eltern Thomas und Katia Mann das gesellschaftliche Ansehen der Familie gefährdet. Es schien ihnen, so Klaus Mann, „eine drastische Lektion“ geboten. Die beiden Mann-Kinder wurden in reformpädagogische Landerziehungsheime gegeben; bald darauf auch Golo und Monika.

Dieser Vortrag beleuchtet die in vielerlei Hinsicht prekäre familiäre Situation im Haus der Manns, analysiert die Überlegungen Thomas Manns zur Erziehung, zur Psychoanalyse und Reformpädagogik und schildert ausführlich die Erfahrungen von Klaus Mann und seinen Geschwistern Erika, Golo und Monika in der Odenwaldschule, der Bergschule Hochwaldhausen und im Landerziehungsheim Schloss Salem.“ (Quelle: Nikolai-Verlag)

Dazu konnten wir einen hochkompetenten Referenten gewinnen: Manfred Kappeler lehrte von 1989 bis 2005 als Professor für Erziehungswissenschaft/ Sozialpädagogik an der TU Berlin. Er war u. a. Mitglied der Expertenkommission zur sexuellen Gewalt in pädagogischen Einrichtungen und Sachverständiger im Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages zur Aufklärung der Geschichte der Heimerziehung der 40er- bis 70er-Jahre in der Bundesrepublik.

Details zur Lesung lesen Sie im Veranstaltungskalender.

Die beiden folgenden Veranstaltungen sind in Arbeit. Sie erfahren rechtzeitig Datum, Ort und Zeit.

II. Lektüreabend Thomas Manns „Der Tod in Venedig“

Wir beschäftigen uns mit Thomas Mann und dessen Verhältnis zur Wollust vor allem, um Klaus Mann besser verstehen zu können. Es ist der erste Lektüreabend unserer Gesellschaft.

III. „Geh, damit ich von dir träumen kann“
Fiktives Gespräch Thomas vs. Klaus Mann in Sachen Homosexualität.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

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