Erika-Mann-Ausstellung in Prag

„Wir zeigen nicht die Tochter Thomas Manns. Wir zeigen nicht die Schwester Klaus Manns, sondern wir zeigen die Kabarettistin, die Kriegskorrespondentin und die politische Rednerin, das heißt eine Frau in ihrer Zeit, die vieles von ihrer Generation der neuen Frauen der 20er-Jahre repräsentiert, aber noch mehr auf singuläre Weise in schwierigen, um nicht zu sagen katastrophischen Zeiten geleistet hat im Kampf gegen den Nationalsozialismus und für die Demokratie.“

(Prof. Dr. Irmela v. d. Lühe im Gespräch mit Dr. Sylvia Asmus, 08.10.2020, Deutsche Nationalbibliothek, Frankfurt a.M.)

Am 15. April 2021 wird am Goethe-Institut Tschechien in Prag eine Erika-Mann-Ausstellung eröffnet. An der Vernissage kann man zumindest online teilnehmen: Teilnahme über Zoom: Meeting ID: 979 6994 6554 Passcode: 266923

Heinrich Mann zum 150. Geburtstag – Im Sinne von Klaus: Danke für alles!

Klaus Mann Initiative Berlin e. V.
Corona lässt uns keine Wahl, wir mussten schon vorher gratulieren. Aus Anlass unserer Veranstaltung STRASSEN NAMEN LEUCHTEN im Brecht-Haus Berlin, genauer gesagt auf dem Hof des Brecht-Hauses, am 06.06.2020 ehrten wir Heinrich Mann an seinem Grab auf dem unmittelbar benachbarten Dorotheenstädtischer Friedhof.
Konstantin Rau, Frank Träger, Karl Kelschebach, Nora Kelschebach, Michael Navratil und Albert Coers (v.l.n.r. Vorstandsmitglieder bzw. Akteure der Veranstaltung).

Kraftquell Erinnerung: three years ago…

Eigentlich ist rückwärtsgewandte Nostalgie nicht unser Ding. Aber in dieser Zeit kann der Blick in den Rückspiegel Trost, Inspiration und Kraftquell sein. Heute vor drei Jahren erblickte unser Stück „Cabaret am Rand des Vulkans“ in der Lettrétage am Mehringdamm in Kreuzberg das Licht der Welt. Klaus Mann und Christopher Isherwood lassen grüßen!

„Das verhasste und das geliebte Berlin“

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Unsere Veranstaltung „Cabaret am Rand des Vulkans“ war ein Riesenerfolg.

Die Befürchtungen in Sachen Teilnehmerzahlen angesichts der tagelangen eisigen Kälte in Berlin waren am Ende gegenstandslos: Die Lettrétage war bis auf den letzten Platz gefüllt. Das überwiegend studentische Publikum – über 70% – war einer spannenden Annotation gefolgt: Klaus Mann und Christopher Isherwood, ein Insider und ein Outsider, erlebten in Berlin die letzten Jahre der Weimarer Republik. Nach Hitlers Machtantritt mussten sie die Stadt, das Land und schlussendlich auch den Kontinent verlassen. Tatsächlich trafen sich die beiden Anfang 1939 in New York wieder. Hier wurde das fiktive Gespräch der beiden Schriftsteller angesiedelt. In die nostalgischen Gespräche über das Berlin der Weimarer Republik mit seinen Schwulenbars, seiner Schriftstellerszene und seiner schillernden Bohème mischten sich – zumindest bei Klaus Mann – Zweifel: „Ach Christopher! So leicht dürfen wir es uns nicht machen. Hast du nicht selbst geschildert, dass das geliebte Berlin schon den KEIM DES VERHASSTEN in sich trug?“.

Zudem wurden Unterschiede deutlich: Isherwoods Zeit als Kriegsberichterstatter in China machte ihn endgültig zum Pazifisten. Dessen Aufruf an Klaus, mit ihm auf den Frieden anzustoßen, konterte dieser mit dem Einwand: „Kann man auf den Frieden anstoßen, wenn das bedeutet, die Diktatoren wüten zu lassen?“ Obwohl die Performance auch heitere Momente in sich barg, überwog doch der Ernst des damaligen Zeitgeistes: Im Publikum herrschte absolute Stille, als sich die New Yorker Kellnerin gegenüber Isherwood äußerst negativ über den zwischenzeitlich abwesenden Klaus Mann äußerte, da dieser ein Deutscher sei und sie ihn mit dem Nazi-Regime gleichsetzte. In dem passagenweise auf Englisch gehaltenen Streit beschwor Isherwood das Berlin während der Zeit des Kennenlernens mit Klaus als Hauptstadt der Künstler, Intellektuellen und Tänzer. Er würdigte die Hellsicht Klaus Manns, mit der dieser noch am Vorabend von deren Machtantritt vor den Nazis warnte und würdigte dessen Engagement in der Emigration zur Sammlung antinazistischer Kräfte. Es half nichts: Der Frust der Kellnerin sowohl gegenüber Nazideutschland als auch gegenüber den Emigranten ließ sich nicht bändigen: „Forget the krauts! There’s no hope for them. Germany will never ever become a free country. It’s a shithole country.“ Und: “But they don’t live a dictatorship any more, these cowards! They’ve left it for the only reason of being afraid of getting in trouble. These refugees are nothing but traitors! Germans are either Nazis or traitors.”

Am Ende gab für einen kurzen Moment eine andächtige Stille, der dann jedoch in einen lautstarken Jubel mündete. Das Publikum war vor allem verblüfft, dass es sich – bis auf die von Michael Navratil eingelesenen Texte von Klaus Mann und Christopher Isherwood – gar nicht um eine Lesung, sondern um ein Schauspiel handelte: Alle Akteure hatten ihre teils umfangreichen Texte auswendig gelernt.

Am vorläufigen Ende stellte der Vorsitzende Frank Träger die Akteure vor und übergab jeder und jedem eine Rose: Allen voran Amandine Thiriet​, die – wohlplatziert im Kontext – Liza Minnellis Songs aus dem Musical-Film „Cabaret“, aber auch den durch Frank Sinatra zu Weltruhm gelangten Song „New York, New York“ (Kander/Ebb) vortrug. Der Vorsitzende lernte die junge französiche Schauspielerin und Chanson-Sängerin fast auf den Tag genau vor fünf Jahren am Rande einer Veranstaltung des Berliner Büchertisches – damals nur zehn Hausnummern von der heutigen Lettrétage entfernt und eigentlicher Gründungsort der Initiative – kennen. Amandine Thiriet hat am Conservatoire National in Metz sowie in Paris Musik und Schauspiel studiert. Seit 13 Jahren arbeitet sie als Schauspielerin und Sängerin in Frankreich und in Deutschland, darunter auch in zweisprachigen Inszenierungen von Pierre-Jérôme Adjedj und Philippe Tibbal. Gemeinsam mit ihrer deutschen Kollegin Barbara Klaus-Cosca​ begleitete sie 2013 unsere Veranstaltung „Klaus Mann und Frankreich“ mit Veit Johannes Schmidinger in der Galeries Lafayette Berlin. Der Dank galt auch dem Pianisten Nicolas Mialocq.

Einen besonderen Dank erhielt der Student Karl Kelschebach, der erst seit einem Jahr Mitglied der Klaus Mann Initiative Berlin ist. Nach der Einigung über die Schwerpunktsetzung übernahm Karl die Federführung über das Projekt. Auf Grundlage der Lektüre von „Goodbye To Berlin“, „Mr. Norris steigt um“ und „Christopher und die Seinen“ (auch „Willkommen in Berlin“) von Christopher Isherwood sowie der Romane „Treffpunkt im Unendlichen“, „Der Vulkan“, „Mephisto“ und der Autobiographie „Der Wendepunkt“ von Klaus Mann erstellte er das Script. Gemeinsam mit seiner Schwester Nora Kelschebach und Nathanael Freier, Student an der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig, opferte er nahezu seine gesamten Semesterferien für die Einstudierung des Stückes. Ein herzlicher Dank galt auch dem Berliner Studenten Hendrik Schmid, „der einen Otto Nowak, wie er im Buche steht“ gab.

Ein besonderes Dankeschön hatten die jungen Akteure für den Vorsitzenden Frank Träger parat, der in einer Nebenrolle sich selbst spielen durfte und ansonsten für die umfänglichen organisatorischen Arbeiten des Projektes hinter den Kulissen zuständig war: „Danke für dieses Projekt! Danke für dein Vertrauen, das auch dann noch hielt, wenn wir am Rand des Vulkans standen. Danke für dein unermüdliches Engagement und dein organisatorisches Geschick. Die heitere Leichtigkeit eines Abends im Cabaret hat unser Projekt durch dich gewonnen…“

Das Nachgespräch wurde von Michael Navratil​, Doktorant der Literaturwisssenschaft an der Universität Potsdam und aktives Mitglied des Thomas Mann Kreises Berlin, geleitet. Die Akteure berichteten über den Entstehungsprozess des Projektes. Frank Träger gab zu Protokoll, dass die Inspiration für den Abend Jahre zurück lag. Am 15.10.2014 war dieser mit seinem Vize Konstantin Rau Gast eines Empfanges in der Dahlemer Residenz des US-Botschafters John Bonnell Emerson für den langjährigen und dreißig Jahre jüngeren Lebenspartner von Christopher Isherwood, Don Bachardy. „Es war schon ein Erlebnis, so einem Mann die Hand zu schütteln“. Und im munteren Gespräch berichteten die jungen Akteure über den Entstehungsprozess des Projektes und debattierten mit dem Publikum.

Apropos: Inmitten der Proben pflanzte der Vorsitzende Frank Träger seinen jugendlichen Mitstreitern den Keim für ein mögliches nächstes Projekt ein: Die Bearbeitung und Aufführung der „Revue zu Vieren“, Klaus Manns zweites Theaterstück, das am 21. April 1927 im Alten Theater Leipzig uraufgeführt wurde. Da die Initiative Mitglied der „Arbeitsgemeinschaft literarischer Gesellschaften“ ist, könnte die Veranstaltung offizieller Teil des Programms der Leipziger Buchmesse 2019 sein. Träger: „Wenn wir schon mal einen Leipziger Studenten an Bord haben.“

Schau’n wir mal…

PS: Last but not least: Unser Dank gilt den Mitarbeitern der Lettrétage – das Literaturhaus in Berlin Kreuzberg​. Vor allem, dass es uns mehrfach tagsüber ermöglicht wurde, an unserem Veranstaltungsort zu proben und wir – bei klirrender Kälte – immer eine geheizte Location hatten! Zudem danken wir unserem Vize Konstantin Rau für seine Mitarbeit beim Abenddienst und vor allem für die Fotos.

Konzertierte Aktion zu Thomas Manns „Doktor Faustus“

Konzertierte Aktion zu Thomas Manns „Doktor Faustus“

https://www.mh-luebeck.de/veranstaltungen/mhl-streaming/

https://www.uni-luebeck.de/…/ringvorlesung-zu-doktor

Anfang Januar gibt es ein – gleich aus vier Gründen – bemerkenswertes Highlight zu einem Werk Thomas Manns:

I Das Werk selbst gehört zu den am kontroversesten diskutierten des Schriftstellers.

II Die Akteure setzen auch in der Form ein deutliches Zeichen, um der Corona-Pandemie zu trotzen. Die „Ringvorlesung“ wird vom 5. Januar bis zum 2. Februar, also immer am Dienstag ab 18 Uhr, auf dem Streaming-Kanal der Musikhochschule Lübeck gezeigt.

III Einmalig ist auch der „konzertierte Charakter“ der Aktion: Die Experten der Musikhochschule Lübeck, der Universität Lübeck, der Deutschen Thomas Mann Gesellschaft Lübeck und die einflussreichsten Thomas-Mann-Expertinnen und Experten haben sich zusammengetan.

IV Bemerkenswert ist auch, dass die Akteure dabei nicht ausschließlich auf das gesprochene Wort, sondern auch auf die Wirkungen der Musik setzen.

Ein absolutes Muss für die Thomas-Mann-Welt!

Hörfunk-Tipp: Fluchtpunkt Amsterdam

Hörfunk-Tipp „Deutschlandfunk“ und „Deutschlandfunk Kultur“
Fluchtpunkt Amsterdam
Eine Lange Nacht über deutschsprachige Exilliteratur
(Autorin und Regie: Kerstin Kilanowski)

8.August 2020 (Freitag auf Samstag)  0.05 – 3.00 Deutschlandfunk Kultur
8.-9.August (Samstag auf Sonntag) 23.05-2.00  Deutschlandfunk
oder an einem anderen Tag als Podcast und in der DLF-Mediathek

https://www.deutschlandfunkkultur.de/programmvorschau.282.de.html?drbm:date=08.08.2020 DLF Logos

Musik & Literatur: Thomas Manns „Doktor Faustus“. Mit Kotaro Fukuma

Hier ein Hinweis auf eine exzellente Veranstaltung mit dem Pianisten Kotaro Fukuma und Dr. Michael Fürtjes  in der Ölbergkirche, Paul-Linke-Ufer 29, 10999 Berlin-Kreuzberg.

ACHTUNG! ABSAGE DER VERANSTALTUNG! AUFGRUND DER UNSICHEREN LAGE GIBT ES VORERST LEIDER KEINEN NEUEN TERMIN.

ACHTUNG TERMINÄNDERUNG!
Grund: Aktuelle Einreise- und Quarantänebestimmungen in Japan.                                       

Ursprüglicher Termin: 6. September 2020 um 17 Uhr

Neuer Termin: 27. November 2020, 17:00 Uhr | 20:00 Uhr

Vorgetragen wird das VIII. Kapitel aus Thomas Manns Doktor Faustus. Dazu erklingen die Sonate Nr. 32 c-moll op. 111 von Ludwig van Beethoven, um die es in weiten Teilen des Faustus-Kapitels (VIII) geht, sowie die Klaviersonate op. 1 von Alban Berg und Stücke von Theodor W. Adorno.

Die Platzreservierung erfolgt unter der Mailadresse kotarofukuma.concerts@gmail.com bitte unbedingt mit der Angabe des gewünschten Zeitpunkts 17:00 oder 20:00 Uhr.

Eine Veranstaltung von KotaoFukumaConcerts.

Die Klaus Mann Initiative Berlin unterstützt die Bewerbung der Veranstaltung.

Platzreservierung: Kotarofukuma.concerts@gmail.com

Hinweis: Bitte informieren Sie sich kurz vor der Veranstaltung, ob diese wie geplant stattfindet. Pandemiebedingt, könnten sich kurzfristige Änderungen ergeben.

https://www.emmaus.de/kultur.html27.11.2020.Musik+Literatur Fukuma

Stream: STRASSEN NAMEN LEUCHTEN – Ein Denkmal für die Familie Mann

Unsere Veranstaltung als Stream:

STRASSEN NAMEN LEUCHTEN – Ein Denkmal für die Familie Mann

STRASSEN NAMEN LEUCHTEN – Ein Denkmal für die Familie Mann | Literaturforum im Brecht-Haus Berlin am 06.06.2020 – am 145. Geburtstag von Thomas Mann

Mit Albert Coers und Karl Kelschebach

Es lesen Nora Kelschebach und Michael Navratil.

Eine Kooperation der Klaus Mann Initiative Berlin e. V. mit dem Literaturforum Brecht-Haus Berlin.

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100 Jahre Marcel Reich-Ranicki

Heute wäre Marcel Reich-Ranicki 100 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass haben wir eine Onlineausstellung zum Leben des bedeutendsten Literaturkritikers in der Bundesrepublik erarbeitet.

Dabei gewähren wir auch Einblicke in die umfangreiche Sammlung von Schriftstellerporträts und Karikaturen, die Reich-Ranicki unserem Museum 2003 geschenkt hat. Durch die Ausstellung führen als roter Faden Zitate aus seinen Memoiren „Mein Leben“, die 1999/2000 monatelang die deutschen Bestsellerlisten anführten.

In der Ausstellung begegnen Euch zahlreiche Autoren der deutschsprachigen Nachkriegsliteratur, mit denen sich Marcel Reich-Ranicki auseinandersetzte, aber auch Vertreter der klassischen Moderne. Einer dieser Schriftsteller ist Franz Kafka, dessen Werke in zahlreichen Essays Reich-Ranickis thematisiert werden und von denen auch einige in seinen ab 2002 erschienenen „Kanon lesenswerter deutschsprachiger Werke“ aufgenommen wurden. In der Ausstellung erfahrt Ihr auch, dass er in den 1950er Jahren Kafkas „Schloss“ ins Polnische übersetzt hat.

Reich-Ranickis Autobiographie „Mein Leben“ belegte von Oktober 1999 bis Oktober 2000 Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste. Erstmals erfuhren seine Leser Einzelheiten über sein bewegtes Leben, u.a. die gemeinsame Flucht mit seiner Frau Teofila aus dem Warschauer Ghetto und das Überleben im Versteck bei einer Arbeiterfamilie in einem Vorort von Warschau. So wurde seine Biografie auch zu einem Stück Zeitgeschichte. 2012 wurde er als Redner zur Gedenkstunde zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus im Deutschen Bundestag eingeladen und berichtete darüber, wie er der Deportation nach Treblinka entging.

In den 1970er und 1980er Jahren wurde Marcel Reich-Ranicki zu einer zentralen Figur im deutschsprachigen Literaturbetrieb. Allerdings war er auch für seine eindeutigen Beurteilungen bekannt und gefürchtet. Als Gastgeber der Fernsehsendung „Das Literarische Quartett“, die von 1988 bis 2001 ausgestrahlt wurde, wurde er auch dem breiten Publikum bekannt.

Mit Marcel Reich-Ranicki würdigt unsere Onlineausstellung bei Google Arts & Culture einen bedeutenden Intellektuellen und eine Person der Zeitgeschichte. Sie ist zugleich eine spannende Zeitreise in die Literaturgeschichte der Bundesrepublik und lädt zu mancher Entdeckung über den berühmten Kritiker ein.

                                                                                                                                 https://artsandculture.google.com/exhibit/der-literaturpapst/8wISyM6oOeJnLQ?hl=de

Wir trauern um Rolf Hochhuth

Wir trauern um Rolf Hochhuth und übermitteln seiner Frau und seinen Angehörigen unser aufrichtiges Beileid.

Rolf Hochhuth war eine zeitlang Teilnehmer unserer Veranstaltungen. Unvergessen ist sein engagiertes Statement während unserer Veranstaltung „Der Nihilist und der Antifaschist – Ein Abend zum Verhältnis von Gottfried Benn und Klaus Mann vor dem Hintergrund des Nationalsozialismus“ am 15. September 2015 im Literaturhaus Berlin.

R.I.P.

STRASSEN NAMEN LEUCHTEN Ein Denkmal für die Familie Mann

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STRASSEN NAMEN LEUCHTEN – Ein Denkmal für die Familie Mann in München

Samstag, 06.06.2020, 15:00 – 17:00 Uhr, 5/3€

Literaturforum im Brecht-Haus, Chausseestraße 125, 10115 Berlin

Bitte lesen Sie unbedingt die Bedingungen der Anmeldung! Siehe unten!

„Das Auffallendste an Denkmälern ist, dass man sie nicht bemerkt“, mokierte sich Robert Musil einmal. An wie vielen Büsten seines berühmten Kollegen Thomas Mann mögen wir schon achtlos vorübergegangen sein? Auf das Denkmal STRASSEN NAMEN LEUCHTEN wurde die Klaus Mann Initiative Berlin hingegen bereits aufmerksam, bevor es überhaupt aufgebaut wurde. 2019 gewann der Künstler Albert Coers mit dem Entwurf für das Denkmal eine Ausschreibung der Stadt München. Auf der Website strassen-namen-leuchten.de lässt er uns an seinen Ideen teilhaben und gewährt Einblicke in ihre Verwirklichung.

STRASSEN NAMEN LEUCHTEN wird auf dem Münchener Salvatorplatz das internationale Wirken der Familie Mann beleuchten – im wahrsten Sinne des Wortes: Gemeinsam mit Straßenschildern bilden Laternen aus aller Welt das Herzstück des Denkmals. Wie sie mit den Manns zusammenhängen, weshalb sie geeignet sind, an die umtriebige Familie zu erinnern, und welche Geschichten an ihnen haften – darüber sprechen wir am 6. Juni mit Albert Coers. Der Vortrag ausgesuchter Texte von Thomas und Klaus Mann lässt Albert Coers‘ Kunstwerk in Dialog mit der Literatur treten, die es ehrt.

Eine Veranstaltung der KLAUS MANN INITIATIVE BERLIN e. V. in Kooperation mit dem Literaturforum im Brecht-Haus Berlin.

https://klausmannberlin.wordpress.com/

Aus Anlass der Corona-Krise können nur sehr beschränkt Tickets verkauft werden. Der Ticketverkauf findet diesmal AUSSCHLIESSLICH online, d.h. über die Homepage des Brecht-Hauses, statt. Der Link dafür ist ab jetzt freigeschaltet.

STRASSEN NAMEN LEUCHTEN – Ein Denkmal für die Familie Mann

https://lfbrecht.de/

Das Haus behält sich vor, zugesagte Reservierungen in einem verabredeten Zeitfenster wieder zu stornieren.

Wir bitten Sie ausdrücklich um Verständnis für diese Maßnahmen!

Eintritt 5/3€ (ausschließlich per Überweisung an das Brecht-Haus)

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Ein Denkmal für die Familie Mann in München

Ein Denkmal für die Familie Mann / A Monument to the Mann Family

Konzept von Albert Coers

Das Denkmal für die Familie Thomas Mann besteht aus Schildern von Straßen, die nach Mitgliedern der Familie benannt sind, und aus Straßenleuchten. Diese stammen aus München, aber auch aus anderen Orten der Welt, die mit der Familie Mann in Bezug stehen.

In Schildern und Leuchten spiegelt sich die Internationalität der Familie Mann wider, von München ausgehend, mit Herkunfts‑, Lebens- und Wirkungsorten in Europa, den USA und Südamerika, gleichzeitig ihre weltweite literarische Ausstrahlung und Bedeutung. Dies ist auch anhand der unterschiedlichen Straßenbezeichnungen (Via, Rue, Rua…) ablesbar. Die Aufstellung orientiert sich an der topographischen Lage der Orte zueinander und bildet eine imaginäre Karte. Angesprochen sind Aspekte von Ortsverbundenheit, gleichzeitig Emigration und häufigem Ortswechsel sowie grenzüberschreitendem Weltbürgertum, wofür die Familie als Beispiel gelten kann.
Ausgangspunkt sind Situationen in München, dem langjährigen Lebensmittelpunkt der Familie. Hier gibt es inzwischen mehrere Straßen und Plätze, die nach Mitgliedern der Familie benannt sind, nach Erika, Klaus, Elisabeth, Golo. Jedoch liegen diese an wenig frequentierten Orten, in Neubaugebieten, an der Peripherie, sind so im kollektiven Gedächtnis wenig präsent. Diese Schilder, samt der Lampen, an denen sie befestigt sind, werden ins Zentrum der Stadt gebracht, als Gruppe versammelt und dadurch stärker sichtbar. Es findet eine „Familienzusammenführung“ statt. Gleichzeitig verweisen Schilder und Lampen zurück auf ihre ursprünglichen Standorte. Damit betont das Denkmal den Bezug zu urbanen Strukturen.

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Namen

Für Katia Mann, nach der bisher keine Straße benannt ist, wird ein neues Schild geschaffen. Dies macht „Frau Thomas Mann“ stärker im Bezug zur Stadt sichtbar, war sie doch gebürtige Münchnerin und entstammte der jüdischen Familie Pringsheim, die, wie die Manns, ihren Besitz verloren und emigrieren mussten. Die Benennung im Denkmal nimmt vorweg, was eigentlich ein langwieriger Prozess wäre. Diese Mischung von Realität und Fiktion ist auch Verweis auf literarische Verfahren, wie sie Thomas oder auch Klaus Mann praktizierten.

Leuchten

Geplant sind ca. 15 Leuchten und Schilder. Neben solchen aus München zeigen weitere die Spannweite zwischen Europa, Nord- und Südamerika, stellen Bezüge her.

Ein Straßenschild stammt aus Paris, Lübeck ist als Geburtsort von Thomas Mann und Schauplatz von „Die Buddenbrooks“ vertreten. Aus Frankfurt stammen Lampe und Schild vom Klaus-Mann-Platz, Standort eines Denkmals für verfolgte Homosexuelle; damit ist ein Bestandteil der Identität mehrerer Familienmitglieder inbegriffen.

Rom ist präsent als Aufenthaltsort von Thomas (und Heinrich) Mann in jungen Jahren. Für den südamerikanischen Teil (Thomas Manns Mutter Julia stammte aus Brasilien) stehen Straßenlampe/Schild aus São Paulo.

Eine Leuchte wird dagegen aus Nida/Nidden in Litauen kommen, bevorzugte Sommerfrische der Familie Mann. Sanary-Sur-Mer an der Côte d’Azur war erster Ort der Emigration in den 1930er Jahren. Von dort stammt eine Lampe, die für die Familie insgesamt steht, ebenso eine aus New York, in Nähe des ehemaligen Hotel Bedford, wo die Manns wiederholt abstiegen.

Auf Los Angeles verweist eine Leuchte. Dort ließ Thomas Mann 1942 eine Villa bauen, die er bis zur Rückkehr nach Europa 1952 bewohnte. Eine Leuchte aus aus Kilchberg stellt eine Beziehung her zum Wohnort von Thomas und Katia, auch von Erika (nach der in Zürich eine Straße benannt ist) und zuletzt Golo, der in Leverkusen verstarb.

Recherchereisen an die jeweiligen Orte sind Bestandteil des Projekts, ebenso eine Buchpublikation, die Hintergrund und Entstehung des Denkmals dokumentiert, vermittelt und ergänzt, auch um die aktuellen Situationen der Straßenschilder und Leuchten vor Ort.

Homepage: http://strassen-namen-leuchten.de/

Bildnachweis:

Projektbild: Albert Coers – Straßen Namen Zeichen, Denkmal für die Familie Mann, Entwurf, 2018

Unten: Buddenbrookhaus (Heinrich-und-Thomas-Mann-Zentrum), Facebook-Seite, 09. Mai 2020

Klaus Mann und Europa